TAUSCHE AUTO GEGEN LASTENRAD – Ergebnis: Lebensqualität

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Da stand ich also im Garten und begutachtete mein Fahrrad. Nahm es genauer unter die Lupe  – war es denn überhaupt noch zu retten?

„Neue Schalthebel, neue Lichter, neue Pedalen, ein neuer Spritzschutz für das Hinterrad, ein neuer Gepäckträger, ein neuer Lenker…. und etwas eiert tut es ja eigentlich auch. Verkehrstüchtig ist es so definitiv nicht. Das Fahrrad müsste von Profis wieder hergerichtet werden, nicht von Amateuren, wie, ähm, mir. Und die Kosten bei einem Profi? Ich weiß es nicht… aber erwähnte ich, dass das Rad zusätzlich ein Unfallrad ist? Das war so ca. vor 16 Jahren.“ Kurz gesagt, der Drahtesel musste auf den Sperrmüll. Und so kam denn nun der Entschluss, der schon hätte längst gefällt werden müssen – es musste ein neues Fahrrad her. 

Doch was für eines soll es sein? Wenn ein neues, dann bitte im Retrostil – das habe ich mir immer gewünscht. Und soll das Gefährt ein E-Bike werden? Und wenn ja, wie viel Power muss es in unserer Region haben? Macht es Sinn, dass nur einer von uns Eltern ein E-Bike besitzt und der andere nicht? Einen Fahrradanhänger besitzen wir zwar, doch unser Junge mag nicht wirklich da drin sitzen. Viel lieber ist ihm sein Frontfahrradsitz – der wiederum nicht für E-Bikes zugelassen ist. Mit dem wir es aber wirklich liebten den Knirps umher zu fahren. Naja, egal, denn jetzt ist er sowieso zu groß für diesen Fahrradsitz. Wen es trotzdem interessiert: wir nutzten den THULE Yepp Nexxt Mini*.

2020 – noch unterwegs mit einem verkehrssicheren Fahrrad und dem THULE Yepp Nexxt Mini*.

Kurze Zeit später standen wir in einem großen Fahrradfachgeschäft, wurden zu gut beraten und kehrten dadurch mit neuen Fragen im Kopf heim. So gibt es kein E-Bike im Retrostyle, das für unsere bergige Region wirklich geeignet ist. Oder aber die falschen Zahlen auf dem Preisschild ausweist. Aus mein Traum.

Aber die Lastenräder, die da standen… die sind schon cool.

Und zwei E-Bikes kaufen? Das sah ich nicht ein, da wir dafür bisher viel zu selten mit dem Fahrrad unterwegs waren. Gleichzeitig weigerte sich mein Mann den Fahrradanhänger noch ein einziges Mal hinter sich herzuziehen, solange er keine motorisierte Unterstützung dazu bekäme. Eine Sackgasse. Wir kamen nicht weiter. Und außerdem war ich hochschwanger, würde die nächste Zeit mit Baby sowieso kein Fahrrad fahren, warum also überhaupt ein neues kaufen?

Auf dem Nachhauseweg sagte ich zu meinem Mann: „Aber die Lastenräder, die da standen… die waren schon cool.“ Und er: „Ja, und der Kleine hatte auch seinen Spaß in der Box.“ „Nur leider viel zu teuer.“

Lastenrad oder Fahrradanhänger?

Zuhause angekommen drehten wir uns weiter im Kreis. 7.000 EUR für zwei E-Bikes auszugeben war ich nicht bereit, ich hatte wirklich Bauchweh dabei. Denn es bestand ja immer noch das Problem, dass unser Junge nicht in den Anhänger wollte. Ja, teilweise weinte er sogar bei dessen Anblick – obwohl es die meisten Kids ja da drin lieben (wieder so ein Beweis dafür, dass jedes Kind anders ist.) Und dann wäre das Geld einfach unnötig ausgegeben. 

Wir kamen zu keiner Lösung – bis zu einem schönen Sommertag im August, als eine Bekannte mit ihrem Lastenrad angekurvt kam. Wir waren sofort hin und weg – alle, mein Mann, unser Junge und natürlich ich. Bis dahin hatten wir Lastenräder nur im Geschäft gesehen – und jetzt freifahrend direkt vor unserer Haustür! Als die Bekannte mir schließlich noch erzählte, wie viel sie mit dem Fahrrad in der Gegend erledigen konnte, stieg das Level meiner Begeisterung exponentiell.

Kurze Zeit später fuhren wir Probe

Kurze Zeit später fuhren wir Probe. Im ersten Moment etwas wackelig, aber dann ganz einfach. Nun waren wir angefixt. Als eine Person, die sich nur schwer von einer Idee lösen, sondern diese immer sogleich umsetzen möchte, recherchierte ich also online nach dem besten E-Lastenrad. Da gab es diese coolen Holzbox-Cargobikes. Damit hätte ich doch beides – ein E-Bike und den gewünschten Retrostyle: Perfekt!

So fuhr ich zu einem großen Händler in der Region und fuhr Probe (ich beschloss, dass ich das auch sehr wohl hochschwanger machen konnte). Die Lastenräder mit den Holzboxen sind zumeist dreirädrig und nicht wie gewohnt zweirädrig. Ich testete beide.

Im Geschäft war natürlich alles sehr eng und ich konnte nicht mehr als Schrittgeschwindigkeit fahren. Hier zeigte sich das Dreirad durch die Langsamkeit zuverlässiger, zwar ungewohnter in der Lenkung, jedoch stabiler. Das Zweirad, das sogenannte Long John, war aufgrund seiner Länge in dieser Enge viel wackeliger.

Erstes Fazit wird später revidiert

Mein Fazit nach diesem direkten Vergleich: das dreirädrige Retro-Lastenrad gewann. Hinweis: dieses Fazit konnte sich nicht lange halten. Denn wie ich später bemerkte, ließ ich mich aufgrund der Enge im Geschäft täuschen. Das Dreirad hat aufgrund seiner Beschaffenheit einen kleineren Wendekreis und zeigte sich hierdurch im Geschäft natürlich angenehmer zu bedienen.

Doch begeistert wieder zu Hause angekommen, erklärte ich meinen Mann, dass er ebenso unbedingt das Rad testen sollte. Nun wollten wir es aber in der freien Natur testen und wir fuhren nun zu einem spezifizierten Lastenradhändler. Und oho – was für ein Unterschied es doch machte, die Fahrräder draußen auf der Straße zu testen anstatt im Geschäft! Die Holzbox flatterte schon bei nur etwas Schnelligkeit (der Sinn eines motorisierten Fahrrads) und Unebenheiten auf dem Weg waren einfach nur störend. Mit drei Rädern ließ es sich auch nicht wie gewohnt lenken und zudem auch die Unebenheiten nicht mit Gewichtsverlagerung ausgleichen. Das Ganze ging zwar und ist eine Sache der Gewohnheit, war aber nach unserem Empfinden nicht so fein zu fahren.

Das Zweirad hingegen fuhr sich wie von selbst, ganz normal wie ein Fahrrad. Klar, man muss es festhalten, wenn man absteigt – immerhin wiegt es nur etwas weniger als ich. Aber Festhalten sollten Eltern das Rad immer sehr gut, auch wenn die Kinder hinten oder vorne in Kindersitzen mitfahren.

Im Lastenrad lässt sich so einiges transportieren.

Der Berater bestätigte nach unserer Testfahrt unser Empfinden, dass die Dreiräder (die es schon relativ „günstig“ gibt) eher für Personen geeignet sind, die ein Lastenrad erst einmal nur ausprobieren wollen. Und die, die dann wirklich daran Gefallen gefunden haben, dann doch zu einem hochwertigeren Lasten-Zweirad greifen. Wenn wir es also von Beginn an ernst meinten, sollten wir kein „Anfängerrad“ nehmen, sondern eines, dass qualitativ im tagtäglichen Alltag Freude bereitet. (So seine Worte, nicht meine.)

Aber meinten wir es denn ernst? Wir überlegten uns die Strecken, die wir mit dem Lastenrad erledigen könnten anstatt das Auto zu nehmen. Denn indiskutabel war, dass wir bei Kauf des Lastenrads das zweite Auto abgeben würden. Mein Auto war gewerblich gemeldet und aufgrund der Größe mit nur relativ geringen monatlichen Kosten verbunden, doch hatte ich das starke Bedürfnis nun nachhaltiger unterwegs zu sein. Insbesondere auch im Rahmen meines neuen Gewerbes, diesem Blog, in dem es bekannterweise auch um Nachhaltigkeit und Entschleunigung im (Familien-)Alltag geht.

Nach diesen Überlegungen, den Testfahrten und dem Beratungsgespräch, etlichen YouTube-Videos später und einer Aufstellung unserer Finanzen, entschieden wir uns endlich – für ein Zweirad. Für ein Urban Arrow.

Das Urban Arrow Family 2021 mit dem Regenzelt Plus.

Die Entscheidung ist gefallen

Und zwar für das Urban Arrow Family, Modell 2021. Und? Wie ist es nun als vierköpfige Familie mit nur einem Auto? Ich gebe es zu – es war schon eine Umgewöhnung sich hier als Paar absprechen zu müssen, wer das Auto an welchem Tag benötigt. Insbesondere als das Mädchen noch nicht im Lastenrad mitfahren konnte, mussten wir hier besser planen. Dank des vermehrten Home Offices meines Mannes kam das jedoch relativ selten vor. Wir feierten jedoch den Tag, als wir uns zum ersten Mal fast darum stritten, wer das Lastenrad nutzen darf und wer das Auto nehmen muss.

Spätestens an dem Tag merkten wir, dass das Rad nun ein fester Bestandteil unserer Mobilität ist. Vor allem ich bin sehr häufig mit dem Rad unterwegs und ja, ich fühle mich mit dem Lastenrad so viel freier. Es schenkt mir frische Luft, die ich nur allzu gerne bewusst tief einatme in Zeiten von mit Masken beschränkten Atemwegen, entschleunigt mein Leben, macht den Kindern Freude und lässt uns regionale Highlights entdecken, die wir sonst nie besucht hätten. Einkäufe lassen sich so fast schneller erledigen als mit dem Auto und ich spare mir dabei noch Benzin oder zusätzliche Parkgebühren. Auch kleine Fahrgemeinschaften mit anderen Kindern zur Tagesmutter und Co. lassen sich mit dem Lastenrad sehr leicht gestalten.

Für unsere Entscheidung sind wir auch nach einem halben Jahr (Betonung: das halbe Jahr der dunklen, verregneten, kalten Tage) sehr dankbar. Daher möchte ich euch noch mehr an unseren Alltag mit dem Lastenrad teilhaben lassen. Für die kommende Zeit sind noch einige Beiträge geplant, wie z.B. über

  • die großen Vorteile, aber auch Nachteile in der Mobilität mit einem Lastenrad
  • unsere Ausstattung
  • Informationen darüber, wie viel und wohin wir fahren, was wir so damit alles transportieren (nicht nur Komposterde für die Square Foot-Beete des Pflückgartens), wie viel wir bisher damit einsparen konnten, wie man solch ein Fahrrad ab- und versichern kann und so weiter

…und vor allem über die Zeit mit Baby an Board. Lasst euch überraschen!

Mit Baby und zwei Kindern unterwegs… kein Problem mit dem Urban Arrow Family.

Übrigens: Das Land Baden-Württemberg unterstützt den Kauf eines Lastenrads mit bis zu 25% des Kaufpreises. So auch unseres – danke! Weitere Informationen findet ihr auf der offiziellen Homepage. Ihr wohnt nicht in Baden-Württemberg? Dann erkundigt euch, ob euer Bundesland, euer Landkreis oder sogar Stadt eigene Förderungen ausgeschrieben hat!

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